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Baltic Transfer. Leben und Arbeiten im Ostseeraum

Ein Projekt mit der Deutschen Auslandsgesellschaft, der Fachhochschule Lübeck
und dem Honorarkonsulat der Republik Lettland
Veranstaltung am 7. April 2005

 


Lübecker Nachrichten vom 3./4.4.05

Ostseeraum: Der neue Arbeitsmarkt


Lübeck - Den aufstrebenden Ostseeraum will die Academia Baltica in Lübeck verstärkt ins Blickfeld rücken. „Die Bedeutung des Ostseeraumes für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region ist bekannt. Wenig bekannt sind dagegen noch die Menschen sowie Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Ländern der Ostseeregion", sagte Akademieleiter Dr. Christian Pletzing.

Eine Auftaktveranstaltung für „Baltic Transfer - Leben und Arbeiten im Ostseeraum", findet am Donnerstag, 7. April, in der Zeit von 16 bis 19 Uhr im Lübecker Hoghehus, Koberg 2, statt. Das Angebot der Academia Baltica richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab dem 12. Jahrgang sowie an Studenten.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Länder Lettland, Polen und Finnland. Referenten des Europaservice der Agentur für Arbeit und Gäste aus den drei Ländern berichten über die jeweiligen Arbeitsmärkte, sowie über Austausch- und Praktikamöglichkeiten. Pletzing: „Wissen über den Ostseeraum wird künftig verstärkt über die beruflichen Chancen von Schul- und Hochschulabsolventen entscheiden. Wir möchten jungen Menschen diese Zusatzqualifikation vermitteln und bringen unser Know how und unsere Kontakte ein."

Lübecker Partner der Aktion sind die Deutsche Auslandsgesellschaft, das lettische Honorarkonsulat und die Fachhochschule Lübeck (FHL). Geplant ist ein umfassendes Seminarangebot. Uwe Bittermann von der FHL: „Wir hoffen, dass wir für unsere Idee noch mehr Leute begeistern können."           TT
 


 

Lübecker Nachrichten vom 8.4.05

Berufliche Chancen in östlichen Ostseeländern


Über das „Leben und Arbeiten im Ostseeraum” informierten sich gestern mehr als 70 Oberstufenschüler und Studierende aus Lübeck auf einer Veranstaltung der Academia Baltica. Konkret wurden die Länder Lettland, Finnland und Polen vorgestellt. Gäste und Studenten aus diesen drei Ländern standen den Teilnehmern - darunter allein 50 des 12. Jahrgangs an der Baltic-Gesamtschule in Buntekuh Rede und Antwort. Da wollte man wissen, welche Unterschiede die lettischen, finnischen und polnischen Gäste in Lübeck gegenüber ihren Heimatländern festgestellt haben, welche Berufe in den dortigen Ländern gerade sehr attraktiv sind und warum oder wofür das eigene Land besonders bekannt ist („In Polen werden weniger Autos geklaut als in Deutschland", „In Lettland gibt es das beste Sauerkraut" oder „Finnisch ist die schönste Sprache der Welt").

“Wissen über den Ostseeraum wird zukünftig verstärkt über die beruflichen Chancen von Schul- und Hochschulabsolventen entscheiden”, erklärt Christian Pletzing, Leiter der Academia Baltica. „Wir möchten auch in weiteren Seminaren jungen Menschen diese Zusatzqualifikation vermitteln.” Wir - das sind die Academia Baltica, die Deutsche Auslandsgesellschaft, die Fachhochschule Lübeck sowie das Honorarkonsulat der Republik Lettland.       unk
 

 

Bilder von der Veranstaltung Baltic Transfer am 7. April 2005






 

 

Kieler Nachrichten vom 16.4.05

Die Ostsee verbindet

„Baltic Transfer" bringt die Ostsee-Nachbarn näher


Wer einen längeren Aufenthalt in Frankreich, England oder den USA vorweisen kann, ist bei der Suche nach einem Job eindeutig im Vorteil. Wirklich neugierig machen diese Länder den Personalchef aber sicher nicht. „Exoten" wie Lettland oder Finnland, Nachbarn Schleswig-Holsteins im Ostseeraum, sind dagegen echte Hingucker im Lebenslauf.

Von Sabine Spatzek

„Wer den Mut bewiesen hat in ein Land zu gehen, in dem man mit den Schulsprachen nicht so ohne weiteres durchkommt, kann bei einer Bewerbung punkten", bestätigt Annette Freitag vom Europaservice der Arbeitsagentur in Hamburg. Auslandserfahrung ganz generell gehöre zu den wichtigsten Einstellungskriterien und sei für Akademiker geradezu ein muss. Allzu viel Angst vor der Sprachbarriere sollte man dabei nicht haben: „Sogar Finnisch ist lembar", sagt Martin Herold von der in Lübeck ansässigen Deutschen Auslandsgesellschaft und spricht dabei aus eigener Erfahrung. Als Student lebte er ein Jahr lang in Jyväskylä, 300 Kilometer nördlich von Helsinki in Mittelfinnland. Herold weiß von vielen, die mit der Qualifikation in einer eher abseitigen Sprache wie Finnisch - allerdings immer in Verbindung mit guten Englischkenntnissen - beruflich erfolgreich sind. Ein Tipp für die Bewerbung in Finnland: „Es ist üblich, zunächst telefonisch Kontakt aufzunehmen, bevor man die schriftliche Bewerbung losschickt."

Vom Ostseeraum mit seinen vielfältigen Chancen sei zwar gerade in Schleswig-Holstein sehr oft die Rede, sagt Christian Pletzing von der Lübecker Bildungseinrichtung Academia Baltica. „Über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den einzelnen Ländern wissen die meisten dann aber doch sehr wenig." Die Veranstaltungsreihe „Baltic Transfer", ins Leben gerufen von Academia Baltica, Deutscher Auslandsgesellschaft und weiteren Partnern, soll diese Lücke schließen helfen und Möglichkeiten für einen zeitlich begrenzten Aufenthalt in den Ländern an der Ostsee aufzeigen - ob nun als Austauschschüler, Studierender, Praktikant oder Arbeitnehmer. Beide Institutionen bieten Hilfe im Einzelfall an und vermitteln nach Möglichkeit auch Kontakte in die Länder.

Wem es nicht in erster Linie aufs Geldverdienen ankommt, der kann in Lettland, dem mittleren der drei seit Mai zur Europäischen Union gehörenden baltischen Staaten, außergewöhnliche Erfahrungen sammeln. „Besonders in der Hauptstadt Riga kommt man auch mit Englisch gut durch", erklärt Valdis Parnieks (20), zurzeit als Austauschstudent in Schleswig-Holstein. Wie in den meis­ten anderen EU-Ländern brauchen Deutsche in Lettland keine Arbeitserlaubnis und können problemlos mit dem Personalausweis für drei Monate einreisen. Der Durchschnittsbruttolohn liegt allerdings bei gerade einmal 300 Euro. „Dafür kostet ein Bier weniger als ein Euro und das Wohnheim 35 Euro im Monat. Die übrige Verpflegung ist etwa so teuer wie in Deutschland", erklärt Student Valdis. An fünf lettischen Universitäten gibt es englischsprachige   Studiengänge   (Info: www.hochschulkompass.de), man kann sich dort direkt oder über die Austauschprogramme deutscher Hochschulen bewerben.

Auch Polen bietet sich eher zum Studieren als zum Jobben an. „Leider machen die gesetzlichen Bestimmungen es für Deutsche fast unmöglich, in dem Land zu arbeiten", erklärt Annette Freitag. Denn so wie Deutschland den Polen derzeit noch den freizugigen Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt, erteilen auch die polnischen Behörden nur in Ausnahmefällen eine Arbeitserlaubnis. Dabei beträgt das Wirtschaftswachstum in dem Land stolze 5,8 Prozent und besonders im Einzelhandel sowie in der Umwelt-, Energie- und Wassertechnik wird ein hoher Bedarf an Arbeitskräften prognostiziert. Selbständige Dienstleister etwa im Handwerk oder auch in der Rechtsberatung können in Polen hingegen Leistungen anbieten, wie es – zum Verdruss mancher - Polen in Deutschland tun. „Ich denke, man muss mit Flexibilität die eigene Marktlücke entdecken", sagt Magdalena Harasimiuk (27), Deutschlehrerin aus Danzig. Die Menschen in ihrer Heimat seien viel spontaner und emotionaler als in Deutschland. „Um zurechtzukommen, braucht man vor allem eines: Humor."

Wer beim Abenteuer Auslandsaufenthalt mehr die finanziellen und strukturellen  Rahmenbedingungen im Blick hat, sucht momentan sein Glück am besten in Norwegen. Dort werden nach Auskunft der Arbeitsagentur vor allem Bauhandwerker, Ingenieure, Schweißer und andere Metallfachkräfte dringend gesucht. Bei Medizinern und Pflegekräften sei Schweden und Dä­nemark beliebt aufgrund der vergleichsweise flachen Hierarchien in den Krankenhäusern.

Daneben bieten sich im Ostseeraum Möglichkeiten vor allem für junge Menschen über Au-pair-Aufenthalte (www.au-pair-agenturen.de), das Freiwillige Europäische Jahr (www.go4europe.de) oder den „anderen Dienst im Ausland" als Ersatz für den Zivildienst (www.zivildienst.de). Oder man versucht, über eine deutsche Firma ins Ausland „entsandt" zu werden. Dann ist vor allem Eigeninitiative gefragt. Informationen über die wachsende Anzahl deutscher Unternehmen vor Ort geben unter anderem die Handelskammern (für das Baltikum: www.ahk-balt.org).

• Weitere hilfreiche Internet-Adressen und Telefonnummern: www.europaserviceba.de, Tel. 040 / 24853554 (u.a. Übersicht zu den einzelnen Ländern), www.academiabaltica.de, Tel. 0451 / 396940. www.deutausges.de, Tel. 0451 / 76320.